Wann und wie schneidet man Sträucher richtig? Der komplette Leitfaden, damit nichts schiefgeht
Sträucher schneiden – klingt simpel, oder ? Und doch stehen jedes Frühjahr Tausende Hobbygärtner mit der Schere in der Hand vor ihrem Forsythienbusch und fragen sich : Hätte ich das nicht schon im Herbst machen sollen ? Oder doch lieber warten ? Franchement, das ist eine der häufigsten Fragen im Garten, und die Antwort hängt – leider – wirklich von der Pflanze ab.
Wer sich tiefer einlesen will und nach konkreten Pflegetipps für verschiedene Gartentypen sucht, findet auf www.roi-des-jardins.fr eine Menge nützlicher Inhalte rund ums Thema Gartenpflege. Aber jetzt erstmal zu den Basics.
Warum der richtige Zeitpunkt so entscheidend ist
Ein falscher Schnitt kann einen Strauch nicht umbringen – meistens jedenfalls nicht. Aber er kann dafür sorgen, dass er ein ganzes Jahr lang nicht blüht. Und das ist, ich finde, ziemlich ärgerlich, wenn man den ganzen Sommer auf Blüten wartet und am Ende… nichts.
Das Grundprinzip ist eigentlich einfach :
Frühjahrsblüher schneidet man direkt nach der Blüte. Also Forsythie, Flieder, Zierjohannisbeere – die blühen an den Trieben des Vorjahres. Schneidest du sie im Winter oder früh im Frühling, schneidest du buchstäblich die Blüten weg. Das macht keinen Spaß.
Sommerblüher schneidet man im zeitigen Frühjahr, bevor der neue Austrieb losgeht – also irgendwann zwischen Februar und März, je nach Region und Wetterlage. Buddleja, Sommerflieder, Hibiskus : die bilden ihre Blüten am neuen Holz. Je kräftiger du rückschneidest, desto schöner und üppiger blühen sie.
Klingt logisch, wenn man’s einmal verstanden hat. Aber ich wette, das wussten viele nicht – mir hat das jedenfalls jahrelang niemand so klar erklärt.
Welche Sträucher brauchen wirklich einen Schnitt ?
Nicht jeder Strauch muss jedes Jahr auf die Schere. Das ist ein verbreiteter Irrtum. Rhododendron, Hamamelis oder Magnolien – die lässt man in Ruhe, außer es gibt wirklich tote oder kranke Äste zu entfernen. Die brauchen keinen Formschnitt, die machen ihr Ding alleine.
Anders sieht es aus bei :
Heckenpflanzen wie Hainbuche oder Liguster. Die wachsen schnell, werden dicht und buschig, und ohne Schnitt verlieren sie ihre Form. Einmal im Jahr – besser zweimal – ran mit der Heckenschere.
Rosenstrauchern. Rosen sind ein eigenes Kapitel, aber im Prinzip gilt : Strauchosen bekommen einen leichten Auslichtungsschnitt, Beetrosen werden im Frühjahr kräftig zurückgeschnitten, auf etwa drei bis fünf Augen. Moment – ein „Auge“ ist eine Blattknospe am Zweig. Wichtig zu wissen, wenn man das zum ersten Mal macht.
Beerenobst wie Johannisbeeren oder Stachelbeeren. Die tragen am zwei- bis dreijährigen Holz. Das heißt, alte verholzte Triebe raus, junge drin lassen. Nach vier, fünf Jahren schneidet man fast alles runter, damit die Pflanze sich verjüngt.
Wie geht man beim Schneiden konkret vor ?
Erstmal das Werkzeug. Eine scharfe Schere ist keine Option, sie ist Pflicht. Eine stumpfe Klinge quetscht das Holz, reißt die Fasern auf – das sind offene Einladungen für Pilze und Krankheiten. Ich hab das selbst einmal erlebt mit einem Fliederzweig, der danach wochenlang braun wurde. Kein schöner Anblick.
Dann der Schnitt selbst :
Immer schräg schneiden, leicht geneigt, knapp über einer Knospe oder einem Seitentrieb. So läuft Regenwasser ab, statt auf der Schnittfläche zu stehen und zu faulen. Der Schnitt sollte etwa einen halben Zentimeter über dem Auge sein – nicht direkt drauf, aber auch nicht zehn Zentimeter weg.
Bei dickeren Ästen – ab etwa drei Zentimeter Durchmesser – lieber zur Baumsäge greifen. Mit einer Schere quetschst du das Holz mehr als du schneidest, und das ist kontraproduktiv.
Und dann : Totholz raus, kranke Zweige raus, Äste die sich kreuzen oder ins Innere wachsen raus. Das ist eigentlich der erste Schritt, bevor man über Formschnitt nachdenkt.
Darf man im Sommer schneiden ?
Ja, aber mit Maß. Ein leichter Rückschnitt im Sommer – zum Beispiel nach der ersten Blüte bei manchen Rosen, um die Nachblüte anzuregen – ist völlig in Ordnung. Was man vermeiden sollte : kräftige Rückschnitte im Hochsommer, wenn die Hitze voll da ist. Das stresst die Pflanze unnötig.
Im Herbst ist ein starker Schnitt ebenfalls riskant. Die neuen Triebe, die danach austreiben, sind weich und empfindlich – der erste Frost macht sie platt. Besser warten bis zum späten Winter.
Schneiden nach Gesetz ? Kurz zur Rechtslage in Deutschland
Das sollte man nicht vergessen : In Deutschland gilt das Bundesnaturschutzgesetz. Zwischen dem 1. März und dem 30. September sind stärkere Rückschnitte an Hecken und Bäumen verboten – wegen Brut- und Nistzeiten von Vögeln. Leichte Pflegeschnitte und das Entfernen einzelner Zweige sind erlaubt, aber radikale Formschnitte eben nicht. Wer das ignoriert, riskiert ein Bußgeld. Das finde ich persönlich absolut berechtigt – Vögel brauchen ihre Ruhe.
Kurzübersicht : Wann schneidet man was ?
Februar–März : Sommerblüher (Buddleja, Hibiskus), Rosen, Obstgehölze
Direkt nach der Blüte (April–Mai): Forsythie, Flieder, Zierjohannisbeere
Frühsommer (Juni): Erste Heckenkontrolle, leichter Formschnitt
Herbst (Oktober–November): Totholz entfernen, keine starken Rückschnitte
Winter : Finger weg – außer bei sehr robusten Gehölzen und in frostfreien Phasen
Fazit : Einmal verstehen, immer richtig schneiden
Es gibt keine universelle Regel, die für jeden Strauch passt. Aber wenn man erst einmal verstanden hat, ob eine Pflanze an altem oder neuem Holz blüht, dann ergibt der Schnitt-Zeitpunkt plötzlich total viel Sinn. Das ist vielleicht der wichtigste Hinweis dieses Artikels.
Also : Pflanze identifizieren, Blütezeit kennen, Werkzeug schärfen – und dann einfach machen. Ein bisschen Mut gehört dazu. Sträucher sind robuster als man denkt.
